Die Stiftung Lebensraum Linthebene möchte das nationale Amphibienlaichgebiet «Rempen» im Wägital und dessen Umgebung gesamthaft aufwerten. Um dieses gesteckte Ziel zu erreichen, werden attraktive Laichgewässer benötigt. Diesen Herbst konnten die ersten beiden Gewässer hinter der Kraftwerkszentrale «Rempen» realisiert werden. Die Aufwertungsmassnahmen werden durch den Bund und den Kanton Schwyz, sowie dem naturmade star-Fonds von ewz unterstützt.    



Der obere Teich ist bereits fertiggestellt, währenddessen der Bagger den grösseren unteren Teich aushebt.

 

Vielfältiger Lebensraum


Die Aufwertung der kleinen Waldlichtung innerhalb einer ehemaligen Christbaumkultur soll nicht nur den Kröten und Fröschen Laichmöglichkeiten und Winterquartiere, sondern auch zahlreichen weiteren Pflanzen und Tieren einen Lebensraum bieten. Die unter der Bauherrschaft der Stiftung «Lebensraum Linthebene» erstellten Amphibiengewässer wurden unterschiedlich gestaltet. So können die verschiedenen Ansprüche der Amphibien an ihre Laichgewässer best-möglich abgedeckt werden. Die vor Ort lebenden Erdkröten und Grasfrösche benötigen dauerhafte, über 50 cm tiefe Gewässer mit seichten Stellen. Die Erdkröten befestigen ihre Laichschnüre an Pflanzenstängeln oder Ästen, weshalb der Teich auch solche Strukturen bieten muss. Der kleinere, flachere Teich wurde deshalb so gestaltet, dass dieser eine Wasserfläche von etwa ­30 m2 aufweist und an der tiefsten Stelle gut einen halben Meter tief ist. Dem kleinen Teich vorgesetzt liegt ein tieferer Teich mit einer Wasserfläche von etwa 50 m2.



Aushubarbeiten beim oberen Teich: Dank des Schreitbaggers waren Arbeiten im steilen Gelände möglich.

Enge Platzverhältnisse beim Bau


Um Platz für die Maschinen zu schaffen und mehr Licht für die späteren Gewässer zu generieren, erfolgten vor dem Bau Holzerarbeiten. Diese wurden durch die Grundeigentümerin, die AG Kraftwerk Wägital, im Rahmen einer Projektleistung fachgerecht und schnell durchgeführt. Der eigentliche Bau der Amphibiengewässer erfolgte im November durch das Bauunternehmen ­Arnold Schnyder Tiefbau AG unter der Bauleitung des Büros für ökologische Optimierungen GmbH.

Der Bau der beiden Teiche in der schmalen Waldlichtung erforderte eine spezielle Lösung. Um die Gewässer bestmöglich in das vorliegende Gelände zu integrieren, wurde der kleinere Teich wannenartig in den Hang eingepasst. Dank eines Schreitbaggers verlief der Aushub im Hang reibungslos. Das ausgehobene Erdmaterial konnte direkt vor Ort wiederverwendet werden.

Die örtlich ty­pischen, formwilden Nagelfluhsteine stabilisieren den Teich und den Hang, bieten aber den Tieren auch Unterschlupfmöglichkeiten. Die engen Platzverhältnisse erforderten es, dass zuerst der obere Teich komplett fertig gestellt wurde.



Die Zivis der Stiftung Lebensraum Linthebene halfen beim Bau tatkräftig mit.

Strukturvielfalt


Der grössere Teich weist eine steile und eine flache Böschung auf. Die Steilböschung wurde ebenfalls mit Nagelfluhblöcken gestaltet. Auch hier bieten die Zwischenräume den Erdkröten und Fröschen Versteckmöglichkeiten vor Fressfeinden. Denselben Zweck erfüllen die über die Teiche gelegten kleinen Tannen. Das flache Gegenstück zur steinbewehrten Steilböschung zeichnet sich durch eine flache, sich schneller erwärmende Wasserzone aus. Diese ist für den Entwicklungsprozess der Kaulquappen vorteilhaft. Die weiteren Baumstämme und Wurzelstöcke in der Teichumgebung, sowie Ast- und Steinhaufen am Waldrand bieten den Amphibien und weiteren Kleintieren zusätzliche Versteckmöglichkeiten.



Der erfahrene Maschinenführer bringt im oberen Teich die schützende Deckschicht auf die Kautschuk-Teichfolie auf.

Die Nagelfluhblöcke mussten sehr sorgfältig gesetzt werden. Andernfalls drohte eine Verletzung der Teichfolie.

Geschichtliches


In den 80er-Jahren wurden auch im Kanton Schwyz alle bekannten Laichgebiete inventarisiert. Eines der grössten, potenziellen Schutzgebiete war die Gegend «Rempen» im Wägital. Mit dem zunehmendem Verkehr wurde die Wägitalerstrasse immer mehr zu einer Amphibien-Massackerstelle und schrie nach Verbesserungen.

Eine erste Linderung gab es, als das kantonale Tiefbauamt Amphibienzäune aufstellte und die Wildhüter – unterstützt durch Freiwillige – die Kübel regelmässig leerten und die Amphibien so sicher auf die andere Strassenseite brachten. Der Grundablass und das Tossbecken unterhalb der Staumauer waren bei den Amphibien sehr beliebt und so konnten da regelmässig weit über Tausend Laichballen gezählt werden, was auf eine sehr grosse und wichtige Population schliessen lässt. Wenige Wochen nach der Schneeschmelze trockneten die beiden Becken aber  regelmässig aus und die Laichballen und Kaulquappen mussten aufwändig Fass um Fass gerettet und in benachbarte Schutzgebiete umgesiedelt werden.

In den letzten Jahren ermöglichten die AG Kraftwerk Wägital mit einer geringen Wasserzufuhr über einen Schlauch die Entwicklung der Amphibien und eine Umsiedlung war nicht mehr dringend nötig. Der Grundablass und das Tossbecken unterhalb der Staumauer sind langfristig aber aufgrund des Kraftwerkbetriebes (Spülungen, Notfallüberlauf bei Hochwasser) als Amphibienlaichgebiete nicht geeignet. Deshalb sollen nun Ersatzgewässer geschaffen werden, welche den Amphibien besser geeignete Laichbedingungen bieten.

Seit dem Dezember 2017 hat der Bundesrat dem Amphibienlaichgebiet «Rempen» nationale Bedeutung verliehen. Die Stiftung Lebensraum Linthebene hat nun auf Anregung der kantonalen Naturschutzfachstelle ein umfassendes Amphibienschutzkonzept für den Bereich «Rempen» und Umgebung erarbeitet. Seit den 80er Jahren setzten sich die Schutzorganisationen für die Erhaltung dieses einmaligen Schutzgebietes ein. Endlich ist eine umfassende Lösung in Sicht.

 



Wasser: Marsch! Der untere Teich füllt sich langsam mit dem anfallenden Regenwasser.